Ironman 70.3 Wiesbaden 10.8.2014

Hier stehe ich nun in meiner schwarzen Pelle, mit einer blauen Badekappe auf dem Kopf und der Schwimmbrille in der Hand. Fast 2 Jahre Vorbereitung liegen hinter mir, dabei habe ich unzählige Stunden im Schwimmbecken, viele tausend Kilometer auf dem Rad, hunderte Laufkilometer und viele schweißtreibende Stunden auf der Gymnastikmatte verbracht und nun ist es soweit – meine erste Mitteldistanz liegt vor mir.

Es ist kurz vor 8 Uhr, seit 4 Stunden bin ich schon auf den Beinen. Von Müdigkeit keine Spur- aber Nervosität, die ist nun da. Was wird mich wohl erwarten? Die Radstrecke bin ich im Training abgefahren, es war ein Graus. Es hat mich verunsichert – warum habe ich mir gleich für die erste Mitteldistanz so eine Radstrecke ausgesucht?… und dann lief auch das Lauftraining seit Monaten unter den Erwartungen. Für Zweifel ist es zu spät.

Meine Altersklasse wird aufgerufen um in den Vorstartbereich zu kommen, zu der Zeit steigen schon die schnellsten Profis aus dem Wasser und werden lautstark durch Musik, Moderation und das Publikum angefeuert. Ich ziehe mir die Schwimmbrille und die Badekappe über den Kopf. Durch die Ohrstöpsel verstummt die Umgebung. Ich schaue mich noch einmal um und mustere die Mitstarter. Konzentration. Ab jetzt bin ich nur für mich. Plötzlich heisst es „Ab ins Wasser“ – es fühlt sich viel kälter an als erwartet. Vorschwimmen an den Start – im vorderen Bereich drängt sich eine Badekappe an die andere. Zwei Reihen weiter hinten ist es deutlich ruhiger. Hier bleibe ich, auch wenn ich aus den Wettkämpfen zuvor die Erfahrung gemacht habe, dass sich das rächen kann.
Die Startmusik ertönt – Hells Bells von AC/DC – Gänsehautfeeling! Ich warte auf den Startschuss – höre aber nichts, stattdessen geht das Gewühl vor mir los. Ich mache einfach mit. Der Puls springt hoch, die Atmung wird intensiver, die Armzüge sind schnell und kräftig – in der Startphase muss ich Gas geben. Nach einigen Metern schwimme ich auf die ersten Mitstreiter auf, das Vorbeikommen erfordert Kraft und bringt mich aus dem Rhythmus und auch weg von der Ideallinie. Ich versuche nicht zu überziehen und meinen Rhythmus zu finden. Die Orientierung an den Bojen fällt mir viel schwerer als im Training, nach der ersten Wende orientiere ich mich an anderen Schwimmern – wo muss ich hin? Wo ist die Ideallinie? Nach einem kurzen Landgang hat sich das Feld in die Länge gezogen und ich habe eine gute Übersicht bis zum Ende der Schwimmstrecke bekommen.
Nachdem ich zum Ende der Schwimmstrecke das Tempo noch etwas steigern konnte, stolpere ich mit Hilfe von Helfern nach etwas mehr als 33 Minuten aus dem Raunheimer Waldsee in Richtung der Wechselbeutel. Das Wechseln klappt richtig gut – der Vorbereitung sei Dank.

Nun ab aufs Rad – jetzt wird es interessant! Die ersten 15 Kilometer versuche ich locker zu bleiben und nicht so viel zu investieren – die Platte liegt ja noch vor mir. Alle 10 Minuten erinnert mich meine Uhr ans Trinken. Routine stellt sich bald ein. Es läuft wie geplant. In der Ebene verlier ich etwas Boden auf die guten Radfahrer, aber als es zur Platte hoch geht, kann ich einige Fahrerinnen und Fahrer überholen. Im Taunus selbst hängt noch der Frühnebel in den Wäldern, die Straßen sind teilweise feucht und die Luft deutlich kühler als in der Stadt. Bis auf ein leichtes frieren fühle ich mich weiterhin gut und kann mein Tempo halten. Als es wieder in Richtung Wiesbaden geht, steigt die Aufregung etwas – gleicht beginnt das Laufen, hoffentlich spielt mein Sorgenkind, mein rechter Fuß, heute mit. Nach 3 Stunden und 12 Minuten auf dem Rad übergebe ich dieses an einen der fleißigen Helfer vor der Wechselzone.

Der Wechsel vom Rad aufs Laufen klappt prima. Nach einem kurzen „Dixistopp“ starte ich auf die Laufstrecke. Ich bin so konzentriert und fokussiert, dass ich die Zuschauer fast ausblende und daher auch Matthias und Angela erst sehr spät erkenne. Die Stimmung auf der Laufstrecke ist einfach bombastisch – die erste Runde hingegen für mich weniger. Der rechte Fuß hat sich sehr schnell gemeldet, allerdings zog es dieses Mal an der Fußaußenseite und nicht wie zuvor auf der Innenseite. Auf der zweiten Runde normalisiert sich die Lage und ich finde meinen Rhythmus. Mittlerweile ist es deutlich wärmer geworden und ich bin froh, dass große Teile der Strecke im Schatten liegen. Die letzten beiden Runden konnte ich schneller laufen als die ersten und mein Körper fühlte sich dabei auch noch besser an. Die gute Stimmung an der Strecke lässt mir zwischendurch Flügel wachsen und so versuche ich das Tempo bis ins Ziel zu retten. Auf den letzten beiden Kilometern stieg die Vorfreude auf den Zieleinlauf und ich schwebe nur so dahin. Der Zieleinlauf selber war sehr schön, aber doch viel zu kurz.

Für meine erste Mitteldistanz habe ich insgesamt 5:34:37 h benötigt. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich schon auf eine Fortsetzung in der kommenden Saison.
Thomas Bienert

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