Ironman Frankfurt 7.7.2013

Ironman Frankfurt 2013 – Der längste Tag des Jahres

Dies sollte sich für uns leider bewahrheiten, doch der Reihe nach.

Nach 4 Jahren Pause von der Langdistanz und jedes Jahr Anfeuern der Athleten, besonders Markus im letzten Jahr bei seiner ersten Langdistanz, entschlossen wir uns, es doch ein 3. Mal zu wagen. Eigentlich war ich im letzten Jahr nach dem Zieleinlauf von Markus die Triebfeder und nach kurzer Überredungszeit hatte ich Matthias soweit, uns für 2013 in Frankfurt anzumelden. Als Dritte im Bunde kam noch Vera dazu, die wir letztes Jahr beim Night-Run kennengelernt hatten (leider musste sie krankheitsbedingt absagen).

Zur Vorbereitung machten wir im Dezember zum ersten Mal bei einem sehr anspruchsvollen Schwimmseminar von Hannes-Hawaii-Tours auf Fuerteventura mit. Es galt jeden Tag 2 Schwimmeinheiten à 2,5 km zu absolvieren mit viel Technik und Ausdauer, aber auch viel Spaß dabei.

Im März fuhren wir zu unserem alljährlichen Trainingslager wieder nach Fuerteventura, dieses Mal aber mit Tri-for-you, die Trainer Steffi und Marco hatten wir im Dezember dort kennengelernt. Wir hatten 14 Tage, die voll durchorganisiert waren: 2 x Schwimmen, Radausfahrten in verschieden Leistungsgruppen, Lauf-ABC, Rumpf-Stabi etc. Wir hatten sehr viel Spaß in der doch recht überschaubaren Gruppe (bei Hannes-Hawaii-Tours ist man nur Einer von Vielen).

Wieder zu Hause dachten wir, wir könnten unsere dort erworbene Fitness in Deutschland fortsetzen. Das schlechte Frühjahr machte uns aber einen Strich durch unsere Planung. Schwimmen und Laufen war kein Problem, aber unsere Radausfahrten mussten wir leider zu Hause auf dem Ergometer und der Rolle absolvieren.

Nachdem das Wetter ab Mai etwas besser wurde, konnten wir draußen doch noch viele Radkilometer „schrubben“. Somit waren wir recht zuversichtlich, auch aufgrund unserer Erfahrung von 2 Ironmännern (2008 in Frankfurt und 2009 in Roth), diesen gut durchzustehen.

Mein großer „Wetter-Wunsch“ war: kein Neo-Verbot, kein Regen, kaum Wind und nicht zu heiß (Letzteres sollte sich leider nicht so ganz bewahrheiten).

Endlich kam die Tapering-Woche und wir konnten es etwas langsamer angehen lassen.

Von Sabina hatten wir den „Auftrag“, doch unsere Startunterlagen schon am Donnerstag im Römer zu holen und dann beim 5km-Night-Run zuzuschauen, warum hatte sie uns nicht verraten. Die Überraschung war riesengroß, als wir am Eisernen Steg (Start des Night-Runs) fast den kompletten Lauftreff sahen. Alle hatten Bilder von Matthias, Vera und mir angeheftet mit folgendem Anfeuerungsspruch: „Wir sind niemals am Ziel, sondern immer auf dem Weg“.

Wir haben uns darüber riesig gefreut.

Am Freitag um 13:00 Uhr war Wettkampfbesprechung auf dem Römerberg. Dort bekamen wir noch einmal gesagt, was während des Wettkampfs erlaubt und verboten ist.

Am Samstagnachmittag checkten wir am Langener Waldsee unsere Räder ein und konnten dort ein paar Profis bei ihren Wettkampfvorbereitungen beobachten. Dort bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack, was uns am Sonntag für ein warmes Wetter erwarten sollte. Danach parkten wir unser Auto im Römer-Parkhaus, um nach dem Ironman mit unseren Rädern und Race-Beuteln nach Hause zu kommen. Jetzt hieß es Beine hochlegen und versuchen, die Nervosität zu bekämpfen.

Nach einer recht guten Nacht sind wir am Sonntag um 04:00 Uhr aufgestanden, haben ein kleines Frühstück zu uns genommen und wurden um 05:00 Uhr von Markus, Anika und Thorsten abgeholt.

Als wir um 05:30 Uhr am Langener Waldsee ankamen, herrschte dort schon hektisches Treiben.

Wir sahen einen tollen Sonnenaufgang und einen komplett ruhigen See. Dies sollte sich ab 06:45 Uhr gewaltig ändern.

In der Wechselzone wurden noch die Reifen aufgepumpt und Verpflegung am Fahrrad verstaut. Aufgrund der schlechten Luftpumpen, die der Veranstalter zur Verfügung gestellt hatte, bekam Matthias leider noch einen Reifenplatzer und das 20 Minuten vor dem Startschuss. Voller Hektik wurde der Schaden noch behoben, Neo angezogen und los ging es in Richtung Wasser. Um 06:45 Uhr starteten die Profis, um 07:00 Uhr die Altersklassenathleten. Matthias stürzte sich nach vorne ins Getümmel, ich hielt mich ziemlich weit hinten auf, um dem großen „Hauen und Treten“ zu entgehen.

Nach sehr guten 1:13:47 Std. (Matthias) und 1:26:09 (ich) kamen wir aus dem Wasser, schnell rauf in die Wechselzone, Neo aus, Radschuhe an, Helm auf und los ging es auf die 180km-Radstrecke (2 Runden à 90 km). Bei km 30 dann das große Malheur, kurz vor dem Hühnerberg sprang mir die Kette runter und verkeilte sich im Kettenblatt. Nach kurzer Zeit konnte ich aber mit gut 10 Min. Zeitverlust weiterfahren, immer die Angst im Nacken, dass mir so etwas noch einmal passiert. Zum Glück lief aber alles gut. Wir quälten uns 2 Mal über das gehasste Kopfsteinpflaster in Maintal-Hochstadt und genossen in Bad Vilbel den „Heartbreak Hill“ mit seinen vielen Zuschauern und dem Tour-de-France-Feeling. Danach ging es in einer schönen Abfahrt Richtung Frankfurt. Nach 6:23:11 Std. (Matthias) und 6:43:40 Std. (ich) stiegen wir vom Rad und „eierten“ mit ziemlich unrunden Schritten Richtung Wechselzone zu unseren Laufbeuteln. Jetzt kam eigentlich meine Paradedisziplin (42 km: 4 Runden à 10 km am Main entlang), was sich aber als blanker „Horror“ erweisen sollte. Es war in der Zwischenzeit ziemlich warm geworden und die Sonne schien unerbittlich. Die erste Runde lief noch einigermaßen, danach begann mein Magen mir große Schwierigkeiten zu bereiten und ich konnte mich nur noch aus einer Mischung zwischen Laufen und Gehen vorwärtsbewegen. Matthias hatte von Beginn des Marathons an schon muskuläre Probleme und entschied schon recht früh, lieber gleich zu gehen. Hätten am Main nicht so viele Läufer des TVK gestanden, die von einer Mainseite auf die andere gependelt sind, um uns immer wieder Mut zuzusprechen, wir hätten sicher ans Aufgeben gedacht. So trieb uns nur der Gedanke, irgendwie doch das Ziel erreichen zu wollen, vorwärts. Endlich, nach schier unendlichen Stunden ging auch für mich der Marathon in 5:23:42 Std. zu Ende. Ich erreichte den lange herbeigesehnten roten Teppich hinauf zum Römerberg. Unter lautem Gejubel der vielen Zuschauer erreichte ich erschöpft aber glücklich das Ziel in 13:45:17 Std.

Jetzt hieß es warten auf Matthias. Ich wusste, dass es für ihn sehr knapp werden würde, da das Ziel nach 15 Stunden (um 22:00 Uhr) schließt. Bei km 37 bekam er noch gesagt, dass er sich beeilen müsse, um noch rechtzeitig auf dem Römerberg anzukommen. Aber sein Kämpferherz ließ ihn nicht im Stich, er nahm alle Kraft zusammen und begann wieder zu joggen. Nach 6:23:11 Std. durfte er auch auf den roten Teppich, vorbei an der jubelnden Menschenmenge und beendete seinen wirklich längsten Tag des Jahres in 14:49:31 Std.

Direkt nach dem Zieleinlauf waren wir doch ziemlich enttäuscht über unsere schlechten Marathonzeiten. Rückblickend müssen wir aber doch sagen, dass wir trotz allem stolz sind, diesen Wettkampf überhaupt durchgehalten zu haben. Der Kopf war doch stärker als die Beine.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns so tatkräftig an der Strecke angefeuert und uns immer wieder motiviert haben, nicht aufzugeben. Jedes aufmunternde Wort lenkt doch etwas von der Quälerei ab.

Angela Hahn

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