Trainingslager 12.-22.3.2012

Sieben Lutscher auf Fuerteventura – 12. bis 22. März 2012 Triathlon Trainingslager in Las Playitas

Halb zehn morgens in Deutschland: Die Knoppers sind verspeist. Hochmotiviert warteten sieben Lutscher am Flughafen Köln-Bonn auf den Abflug nach Fuerteventura.

Angekommen am Ticketschalter ging es direkt im Sturzflug in die Servicewüste. Die Umbuchung des Reiseveranstalters war wohl nicht bis zur Fluggesellschaft vorgedrungen. Nach einigen Telefonaten durften Angela, Matthias, Markus, Michael, Christian, Moritz und Stefanie aber doch noch an Bord.

Ziel war das Sportresort in Las Playitas, einem kleinen Fischerdorf an der Südostküste Fuerteventuras, mit wunderbarem schwarzen Sandstrand mitten im Atlantik fernab von Verkehr, Hektik und Lärm.

Direkt nach Ankunft sahen wir die Lakritze – dunkelbraune Triathleten mit sonnen-gegerbter Haut, die wohl schon einige Wochen auf der Insel und ihrem Fahrrad verbrachten. Wir sahen eher aus wie Marshmallows – mit noch ein paar vom Winter übrig gebliebenen Feiertagspolstern und blasser Haut. Doch die anderen Sportler sollten sich von unserem Anblick nicht täuschen lassen. Denn innerlich waren wir wie Brause-Bonbons – spitzig, voller Energie endlich jeden Morgen in das tolle, olympische 50m-Becken direkt am Meer zu steigen und die Inselstraßen lang zu radeln.

Die Kanareninsel bietet ein ausgezeichnetes Netz sehr gut asphaltierter Straßen und wenige, aber rücksichtsvolle Autofahrer – ideal für uns Lutscher.

Doch was ist das?

Ein Lutscher ist ein Radfahrer, der in der Gruppe dicht hinter einem anderen Radler in dessen Windschatten fährt, an ihm „lutscht“. Dadurch spart der Windschattenfahrer viel Kraft – ideal für etwas schwächere Radler oder auch für lange Ausfahrten, um abwechselnd Windschatten zu spenden und in der Gruppe optimal gemeinsam ans Ziel zu kommen. Großer Vorteil des Pedal-Parasiten-Daseins ist auch, dass man sich an den knackigen Waden des Vordermanns erfreuen kann.

Nachdem wir am Morgen von Tag 2 nach dem ersten Schwimmtraining alle unsere Rennräder ausgeliehen hatten, starteten wir bei moderatem Wind fernab der ausgetretenen Touristenpfade auf die erste Kaffee-Tour nach Lajita, das direkt am Meer liegt.

Las Playitas hat durch die zentrale Position in der Mitte der Insel eine günstige geographische Lage mit ringsum steilen Bergen und tiefen Tälern in ursprünglicher Vulkanlandschaft. So entdeckten wir während der 10 Tage Trainingslager viele Orte, zum Beispiel Gran Tarajal, das mit seinen ca. 3500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf Fuerteventura ist. Neben einem kleinen Hafen mit Fährenanschluss nach Lanzarote oder Gran Canaria gab es viele Geschäfte. Touristen sahen wir kaum.

Richtung Norden fahrend, auf der Durchreise nach Antigua, Betancuria oder Pajara entdeckten wir Tuineje. Die stille Ortschaft ist ebenfalls vom Tourismus verschont geblieben. Im Umfeld des beeindruckenden Lavafeldes sahen wir alte Häuserruinen aus Stein und zerfallene Ziegenstallungen.

Wir hatten häufig mit starken Gegenwind zu kämpften und „lutschten“ uns daher nach Antigua, was im Inselinneren liegt und eher einen künstlerischen Aspekt für die Kanareninsel hat. Die kleine Ortschaft mit seinen Mühlen und Herrenhäusern wird von der EU gefördert, um das kulturelle Erbe – die Geschichte der Landwirtschaft und Einwohner – zu erhalten.

Auf einer bergigen Tour nach Pajara kamen wir an einem Denkmal bei Betancuria vorbei, das zwei Bronzestatuen der ehemaligen Könige Ayose und Guise von Fuerteventura zeigt. Die 4,50 m hohen Statuen gibt es erst seit 2008 zu bestaunen. Weiter der Passstraße folgend konnten wir noch die Überreste der ehemaligen Grenzmauern der zwei Königreiche erkennen.

Auf all unseren Touren konnte die Regenjacke im Hotel bleiben. Wir genossen die Sonnen- und Temperaturgarantie von 18 bis 24 Grad und freundeten uns mit unserem neuen Trainingspartner an – den stetigen Winden, die über die Insel fegten.

War die konstante, trockene Brise mal zu stark, dass die Gefahr bestand mit dem Rad heimzufliegen, nutzten wir die bergigen, verkehrsfreien Laufstrecken. So führte die dortige Hausstrecke von der Hotelanlage auf 12 km Straße zum Leuchtturm „Faro de La Entallada“, der 1953 auf einzigartige Bauweise errichtet wurde und einen grandiosen Ausblick bot –  unter anderem auf die tolle Hotel-Schwimmanlage mit den 50m Bahnen, in der wir jeden Morgen die müden Glieder zum Leben erweckten.

Nach diesem tollen Trainingslager wissen wir:

Fuerteventura besitzt ganz besondere Faszinationen: Kleine verstreute Dörfer, grandiose Bergzüge und einsame, karge, wüstenähnliche Landschaften. Es gibt nicht viel was das Auge ablenkt – weder große Sehenswürdigkeiten noch Naturschauspiele, dafür schöne, kilometerlange Straßen zum Radeln und Laufen.

Die Insel der Stille spaltet die Gemüter: es heißt, nach Fuerteventura kommt man einmal und nie wieder oder immer wieder.

Eins ist klar: Wir Lutscher vom TVK kommen wieder!

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.