Hugenottenlauf und Rodheimer Volkslauf 2010

Hugenottenlauf und Rodheimer Volkslauf 2010 – Jungfraubesteigung beflügelte zu neuen Bestzeiten Oder: Am siebten Tag machte Gott einen Volkslauf

Bereits eine Woche nach dem Jungfrau-Marathon in Interlaken packte uns das Wettkampffieber wieder.

Wir trafen uns am 18. September in Neu-Isenburg zum Hugenottenlauf. Um 9 Uhr gingen Anja, Bea, Angela, Stephan und Moritz auf die Halbmarathonstrecke. Um 9:20 Uhr folgten Susana, Thomas, Matthias und ich auf der 10 km Strecke. Susana gab hier ihr Wettkampf-Debüt und folgte mit mir Matthias, unserem Hasen, mit dem Ziel, unter einer Stunde anzukommen – beide motiviert bis in das verkapselte Ende unserer Schnürsenkel.

Bestzeiten kommen nicht von ungefähr. Sie wachsen am „Bestzeitenbaum“. Die ersten hängen tief, man kann sie einfacher mitnehmen. Für die nächsten muss man sich schon anstrengen, schließlich hängen sie so hoch, dass man ackern muss, um sie zu pflücken. Wir hatten uns daher eine Leiter mitgebracht – einen motivierenden Hasen namens Matthias.

Nach dem Gerangel am Start ging es auf eine breite Straße, auf der sich das Feld etwas entzerrte. Es ging bergab. In Neu-Isenburg geht es immer bergab und nie bergauf. Trotzdem kommt man auf der gleichen Höhe wieder an. Ich nenne es „das Hugenottenwunder“.

Anfangs konnte ich den gut gemeinten Ratschlägen von Matthias folgen. Doch bereits nach wenigen Kilometern sanken meine Wahrnehmung und mein sprachliches Niveau. Denn hat ein Läufer eine gewisse Geschwindigkeit überschritten, betritt er ein Terrain, das jeder anspruchsvollen Hirntätigkeit abträglich ist: Wald. Gut. Schotter. Fies. Die laufen nebeneinander. Voll fies. Ich komm rechts nicht vorbei. Blöd. Ich komm links auch nicht vorbei. Blöd. Ich spring jetzt am Rand vorbei. Blöd.

Ab Kilometer fünf nahm ich meine Mitläufer nicht mehr wahr. Susana hatte sich nach vorne abgesetzt. Es wurde knapp, die angestrebte Zeit zu erreichen. Ich sah nur noch Matthias vor mir und dachte kurze Worte: Wasser. Kalt. Schlecht für den Magen. Aua. Mist. Wasser schlecht. Nie wieder Wasser.

Bei Kilometer sieben mischte sich eine Dame vom Spiridon in die Couch-Motivation ein; sie wollte die „Belästigungen einer jungen Dame“ unterbinden. Und jetzt hängte sie sich einfach noch an unser Zweigestirn hinten dran. Auf den letzten Kilometern angekommen stürzten wir durch den Wald und genossen das Hugenottenwunder. Wozu denken? Laufen genügt, oder? Ächtz. Kurve. Gerade. Lautsprecher. Gleich da. Die überholt noch. Blöde Kuh! Gleich da. Noch schnell an ihr vorbei. Gleich da. Gleich da. Stadion. Gleich da. Gleich da.

Spätestens beim Denken von längeren Begriffen wie „Weizenbier“ oder „Streuselkuchen“ ist der Läufer wieder ganz der Alte. Bereit für den nächsten „Lauf zu sich selbst“.

Die flinken TV Kalbach-Läufer konnten das Hugenottenwunder ebenfalls für sich nutzen und Bestzeiten laufen. Für die Zeit unter einer Stunde hatte es leider bei mir nicht gereicht. Doch der nächste Lauf mit flachem Streckenprofil ist schon geplant.

Name Rang Platz AK Nettozeit 21,1 km
Schmidt, Moritz 296 M 30: 22 1:40:13,2
Voss, Stephan 396 M 35: 55 1:43:58,7
Hahn, Angela 400 W 50:  4 1:44:10,6
Otto, Anja 1002 W 20: 25 2:07:02,4
Jung, Beatrice 1003 W 20: 26 2:07:03,1
Nettozeit 10 km
Weber, Thomas 122 M 35: 15 45:43,1
Coelho, Susana 412 W 30: 11 1:00:57,9
Möller, Stefanie 422 W 20: 22 1:01:54,2
Löwe, Matthias 422 M 55: 21 1:01:54,2

Da sich eine Woche später das Wetter doch noch gegen Regen entschied, fuhren Angela, Matthias, Moritz und ich am 27. September spontan nach Rodheim, einem Stadtteil von Rosbach v.d. Höhe am Rande des Taunus. Der Rodheimer Volkslauf ist der drittletzte Lauf des Main-Lauf-Cups und fand zum 20. Mal statt. Um 16 Uhr ging es los. Der Jubiläumslauf führte 6,5 km bergauf. Zwischen geschwungenem Hügel, Feld-, Wald- und Wiesengrund verlief die Strecke in romantisch, reizvollem Gelände. Nachdem die          65 Höhenmeter auf mehreren Steigerungen überwunden waren, beflügelten uns die letzten 3,5 km bergab, unterstützt durch Rückenwind. Aus dem Wald kommend, konnte man schon den Kuchen riechen.

Moritz lief bereits nach 45:31,8 Bruttozeit durch das Ziel und wurde achter in seiner Altersklasse M30. Angela sicherte sich mit 46:52,3 den 1. Platz in AK W50 und ich absolvierte die 10 bergigen Kilometer in 01:03:19,0 (7. Platz in W20). Im Ziel gab es für jeden Läufer eine Flasche alkoholfreies Hefeweizen der Brauerei Faust inklusive einem Glas und für die Damen der Schöpfung eine Blume.

Das Warten auf die Siegerehrung und Tombola danach lohnte sich: Angela sicherte sich als Siegerin in ihrer Altersklasse gleich noch ein Sixpack des leckeren Hefeweizens. Der Moderator brüllte in sein Mikro, dass es nur so schepperte. Das erste Mal war das Tombola-Glück auf unserer Seite. Moritz gewann einen Gutschein vom Laufshop Friedberg, ich freute mich über Kopfhörer von beyer. Als Sonderpreis wurde das Rodheimer-Brot verlost, welches die Laufstrecke symbolisierte. Gegen 20 Uhr traten wir zufrieden die Heimfahrt nach Kalbach an.

Stefanie Möller

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